Positionspapier

Diese künstlerische Arbeit mit Personen ohne Fachausbildung stellt besonders an die Leiter dieser Theatergruppen hohe Anforderungen, die nicht per se durch die Ausübung eines pädagogischen oder darstel-lerischen Berufes gegeben und schon gar nicht über Kurse oder Lehrgänge zu erwerben sind. Hier werden Leiter benötigt, die sowohl auf dem einen wie dem anderen Gebiet ausreichende fachliche Befähigungen aufweisen können. Ohne Grundkenntnisse im Theaterfach aber ist diese Aufgabe nicht zu leisten. In jeder anderen Profession steht die fachgerechte Anleitung außer Frage. Hier, wo es um die ganzheitliche Entwicklung der Persönlichkeit geht, ist Profession umso dringlicher geboten und auch einzufordern.In erster Linie versteht der Landesverband Amateurtheater Sachsen die nichtprofessionelle Beschäftigung mit Theater als einen künstlerischen Schaffensprozeß. Erst in der Konzentration auf diesen Prozeß (Pro-be) und dessen Abschluß (Premiere/Aufführung) wird das Bemühen der Gruppe und von deren Leiter um die Entwicklung des Einzelnen und die Erreichung des gemeinsamen Zieles glaubhaft. Es geht also nicht darum, Theater als ein Mittel zur vordergründigen Problemlösung in den unterschiedlichsten Bereichen (Integration, Lernhilfe, Kompetenzerlangung...) zu benutzen.

Dennoch bietet natürlich die künstlerische Arbeit im Theater die Möglichkeit für eine individuelle Entwick-lung des Einzelnen und der Herausbildung solidarischen Verhaltens in der Gruppe, eignet sie sich darüber hinaus auch dafür,  jeden Einzelnen entsprechend seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Prozeß ein-zubinden und ihn so an dem gemeinsamen Erlebnis teilhaben zu lassen. Schließlich gewinnt der Teilneh-mer in der Beschäftigung mit dem im Theater behandelten Stoff umfangreiche Erfahrungen, Erkenntnisse und Wissen, da diese Arbeit über den eigentlichen Rahmen des Kunstraumes Theater hinausreicht und die unmittelbaren Fragen des gesellschaftlichen Seins berührt. Dies bedenkend, setzt der LATS in seinem Wirken auf ein hohes fachliches Niveau, arbeitet er mit aus-gewählten Künstlern zusammen, die ihre Befähigung für die Anleitung nichtprofessioneller Theatergrup-pen über Jahre erfolgreich unter Beweis gestellt haben und auch als Multiplikatoren im nationalen wie internationalen Raum auftreten. Alle Projekte des Verbandes werden von geeigneten professionellen Kräften betreut, deren Wirken durch eine doppelte Reflektion (Teilnehmer, Leitungsebene) ständig auf dem Prüfstand steht. Zur Verbesserung dieser Arbeit gründete der LATS eine u. a. mit externen Fachkräf-ten besetzte Arbeitsgruppe.

Wird Theaterarbeit im nichtprofessionellen Bereich in allen Altersklassen flächendeckend ermöglicht, kann ein hoher Grad an kultureller Bildung vermittelt werden, womit sich viele angestaute gesellschaftliche Probleme, wenn nicht aufheben, so aber doch erheblich mildern lassen. Hier zu investieren, ist eine Inves-tition in die Zukunft. Herausragende Beispiele wie die Theaterarbeit mit Kindern und Jugendlichen durch den großstadtKINDER e. V. in Leipzig oder die zentrale Proben- und Aufführungsstätte Theaterhaus „Ru-di“ der Stadt Dresden belegen, daß der Nutzen den Aufwand übersteigt.Kulturelle Bildung ist Grundvoraussetzung für eine umfassende Entwicklung der Persönlichkeit und des Zusammenlebens in einer Gesellschaft. Deshalb ist es notwendig, allen Bürgern gleichberechtigte Zu-gangsmöglichkeiten zu gewähren, unabhängig von persönlichen Voraussetzungen,  regionalen Gegeben-heiten und der aktuellen Bevölkerungsentwicklung im Freistaat. Gerade der Rückgang der Einwohnerzah-len in Sachsen wie auch die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise verlangen weitaus größere An-strengungen auf diesem Gebiet und nicht den Abbau von Kapazitäten und die Kürzung der Finanzen. Die Mittel aus den Konjunkturpaketen sollten deshalb auch für diesen Bereich eingesetzt werden.Theaterarbeit im nichtprofessionellen Bereich ist eine alle Lebensbereiche berührende künstlerische Tätigkeit, wodurch eine umfassende kulturelle Bildung ermöglicht wird.
Sie erfolgreich umzusetzen, erfordert:

  1. Daß für alle gleiche Zugangsbedingungen für Theaterarbeit im nichtprofessionellen Bereich ermöglicht werden, unabhängig der sozialen Lage des Einzelnen.
  2. Daß sichergestellt wird, daß die Träger nichtprofessioneller Theater Zugang zu allen Fördermög-lichkeiten auf kommunaler und staatlicher Ebene haben und dort ein angemessener Betrag an Fördermitteln bereitsteht. Eine Angleichung der Förderbestimmungen ist anzustreben.
  3. Daß durch unterschiedliche Maßnahmen und Organisationsformen eine fachgerechte Anleitung und Betreuung der Theatergruppen sowie Theaterarbeit in der Schule ermöglicht wird und dafür ausreichend finanzielle Mittel bereitgestellt werden. Daß zentrale Proben- und Aufführungsorte er-halten und weiter ausgebaut werden. Daß der Aufbau einer Spiel- und Stückberatung seitens der Landesregierung unterstützt wird.
  4. Daß in der Ausbildung pädagogischer Berufe zumindest fakultativ das Fach „Theater“ angeboten wird.
  5. Daß eine kontinuierliche Qualifizierung des Lehrkörpers und sonstiger Pädagogen über das Qualifizierungsprogramm der Sächsischen Bildungsagentur und andere Bildungseinrichtungen ermöglicht wird.
  6. Daß im Land Sachsen eine Bewegung „Jeder Schule ihr Theater“ ins Leben gerufen wird, in die al-le gesellschaftlichen Kräfte einbezogen werden, um so jedem Kind die gleichberechtigte Chance der Teilnahme zu eröffnen.
  7. Daß bereits bei Schulneubauten und Renovierungsarbeiten die für die kulturell-künstlerische Ar-beit erforderlichen Funktionalräume in die Bau- und Renovierungspläne aufgenommen werden und dafür die notwendigen gesetzlichen und/oder verordnungsmäßigen Voraussetzungen geschaffen werden.
  8. Daß am flächendeckenden Ausbau der Ganztagsschulangebote neben den lokalen/kommunalen Organen auch die Kulturräume sowie der Freistaat einbezogen werden.
  9. Daß eine professionelle Zusammenführung und Vernetzung unterschiedlicher Akteure kultureller Bildung erfolgen muß, wenn fachliche Arbeit gesichert, Nachhaltigkeit erreicht und Erfahrungen weitergegeben werden sollen.
  10. Daß die maßgeblich an der kulturellen Bildung beteiligten freien Träger gestärkt werden und die Landesverbände als bedeutende Träger der kulturellen Bildung vergleichbare Voraussetzungen für die Sicherung ihrer fachlichen Aufgaben erhalten.


Der Landesverband Amateurtheater Sachsen wird sich auch künftig für eine fachliche Betreuung der Ama-teurtheatergruppen einsetzen und dazu entsprechende Angebote unterbreiten. Dabei wird der Wettbe-werbsgedanke weiter verfolgt und der Sächsische Amateurtheater-Preis auch künftig ausgelobt. Verstärkt sollen Angebote entwickelt werden, welche unmittelbare Arbeit der Theatergruppen unterstützen und, in Zusammenarbeit mit der Freien Szene, das GTA der Schulen stärken.¹) Theater im nichtprofessionellen Bereich ist als eine Beschäftigung ohne kommerzielle Absichten zu verstehen, so  wie es am Beispiel des Vereines gegeben ist.

Radebeul, den 6. Juli 2009