Sächsischer Amateurtheaterpreis - Beste Inszenierung 2016

 

Der Landesverband Amateurtheater Sachsens e.V. (LATS) vergibt den mit 2.000 Euro dotierten

Sächsischen Amateurtheaterpreis für das Jahr 2016

am 12. November 2017, um 17.00 Uhr, im Theaterhaus Rudi in Dresden.

 

Der Preis wird vom Landesverband Amateurtheater Sachsen e.V. seit 2007 ausgelobt. Er soll künstlerische Maßstäbe für das Amateurtheater des Freistaates setzen und sächsische Theatergruppen in ihrem Bemühen um Schaffung anspruchsvoller Inszenierungen unterstützen, wobei die vorgeschlagenen Amateurtheater nicht Mitglied im LATS sein müssen. Der Preis wird alle zwei Jahre sachsenweit ausgeschrieben.

Eine vom Landesverband berufene unabhängige Jury, bestehend aus Yvonne Arendt (freie Schauspielerin, Sängerin), Armin Zarbock (Schauspieler, Regisseur) und Bernd Guhr (em. Prof. für Schauspiel und Dozent Theaterakademie Sachsen), nominierte nun aus einer Vielzahl an Bewerbungen drei Inszenierungen aus dem Jahr 2016.

 

Neben der Produktion „Heimatabend. Ein Tauchversuch“ der Theatergruppe Spielbrett e.V. aus Dresden und der Inszenierung „DER AMATEUR Schauspieler ODER: Are you lonesome tonight?“ der Gruppe die bühne – das Theater der TU Dresden wurde das Stück „König Ödipus“ der Theatergruppe Thea(l)ternativ Stollberg e.V. nominiert.

 

Die Kriterien zur Vergabe des Preises richten sich nach schauspielerischem Handwerk (Zusammenspiel, Figurenzeichnung, Rollendialektik, Rhythmus/Brüche), Dramaturgie (straffes Geschichtenerzählen, Drehpunkte, Aktualität), Partnerkünste (Gesang, Akrobatik, Pantomime, Tanz), Mitteleinsatz (Musik, Ton, Licht), Ausstattung (Poesie/Bilder, Unterstützung von Aussagen, Spiel und Figuren) sowie Publikumsansprache aus.

Es kommt jedoch nicht auf Perfektion an. Dagegen muss die Persönlichkeit des Amateurs immer erkennbar sein.  Es sollen eigene Zugänge zum Stoff erschlossen werden sowie eine Ausgewogenheit zwischen dem Leistungsvermögen, der Aufgabenstellung und dem Einsatz der Mittel erkennbar sein. Alle Mittel müssen dem Grundanliegen untergeordnet sein.

 

Vergeben werden der mit 2.000 Euro dotierte Sächsische Amateurtheater-Preis sowie zwei Förderpreise (jeweils dotiert mit 250 €, gestiftet vom Förderverein Freunde des LATS e.V.). Neben dem Preisgeld erhält der Preisträger eine handgefertigte Skulptur „Kassandra“ der Künstlerin Freya Ritter (Bischofswerda).

 

Werkbeschreibung Preisskulptur „Kassandra“: Tochter des Königspaares Hekabe und Priamos, begabt mit der Fähigkeit zur Weissagung, doch geschlagen mit dem Fluch, niemand würde ihr glauben. Eine Ruferin in der Wüste, übertragen in die Gegenwart: Für eine Gemeinschaft ist es von existentieller Bedeutung, dass es Persönlichkeiten gibt, die überzeugend vor den Folgen leichtfertigen Handelns warnen.

Preisskulptur Kassandra2016 24ff3

 

Alle drei Theatergruppen (der Preisträger und die beiden nominierten Gruppen) werden zur Preisverleihung am 12. November, um 17.00 Uhr, im Theaterhaus Rudi in Dresden (Fechnerstraße 2A, 01139 Dresden) einen jeweils 30-minütigen Ausschnitt ihrer Inszenierung aufführen.

 

 

Informationen zu den Stücken und Gruppen:

„Heimatabend. Ein Tauchversuch“, Theatergruppe Spielbrett e.V. (Dresden)

„Es war einmal“, sagt die Großmutter, „und is‘ es noch.“ „Geschichte macht dick!“, meint der Wolf, als Hänsel und Gretel Schwarz-Rot-Gold probieren. Vielleicht ist was anderes besser? Und während Rotkäppchen bereits die dritte (oder vierte?) Revolution anzettelt, füllt sich der Hase den Humpen: „Prost, Heimat!“ Zu erleben sind dieses Mal sechs nicht ganz unbekannte Märchenfiguren, die sich am roten Faden der deutschen Geschichte entlang hangeln, um zu begreifen, was das eigentlich ist: Deutschsein. Ist unsere Heimat die oft besungene Landschaft oder taugt sie heute nur noch als pittoresker Hintergrund für ein Selfie? Brauchen wir einen Kaiser zum Zujubeln oder reicht der Fußballverein um die Ecke vollkommen aus? Sind wir noch Wirtschaftswunder

oder schon Mülltrennung? Dürfen Italiener auf den deutschen Speiseplan? Fakt ist: Beim Führer hätte es sowas nicht gegeben! Wir tauchen trotzdem ein. Taucht mit!

Ensemble: Gretel – Claudia Leutemann | Britta Mattauch, Hänsel – David Burkhardt | Stefan Leithold, Wolf – Matz Hofmann | Andreas Brusinsky, Hase – Jens Grunert |

Frank Rottscholl, Großmutter –  Luisa Sonntag | Dorothee Ebert-Bientz, Rotkäppchen – Jana Hering | Melanie Wälisch

Regie – Ulrich Schwarz, Dramaturgie – Marion Fischer | Steffen Roye | Ulrich Schwarz, Szenenmontage –  Spielbrett, Musikalisches Arrangement – Jens Grunert | Frank Rottscholl, Regieassistenz – Sarah Schlootz, Ausstattung – Spielbrett, Choreografie – Sandra von Holn

Foto: Jan Rößler

 

Die Theatergruppe Spielbrett wurde 1985 gegründet und seither erfolgreich geleitet von Schauspieler und Regisseur Ulrich Schwarz. Spielbrett – das ist Amateurtheater, nicht Laientheater. Freizeittheater von Menschen mit und ohne Arbeit, kein freies Theater. Volkstheater – sinnlich, kräftig, plastisch, unterhaltsam, kritisch, intelligent, aber nicht intellektuell. Spielbrett hat 2007 mit „Hagen, Deutschland“ den 1. Sächsischen Amateurtheater-Preis gewonnen. Regie: U. Schwarz

www.spielbrett.info

 

 

„König Ödipus“ , nach Sophokles, Neuverdichtung mit Musik von Bodo Wartke, Theatergruppe Thea(l)ternativ Stollberg e.V.

Was kommt dabei heraus, wenn ein Klavierkabarettist ein antikes Drama neu verdichtet? Eine tragische Komödie? Oder vielleicht eine komische Tragödie? Von beidem etwas und das alles gründlich abgestaubt und mit viel Live-Musik. „König Ödipus“ – diesen antiken Klassiker im neuen Outfit bringen die Amateure von Thea(l)ternativ e.V. modern, komisch und verständlich auf die Bühne. Da wird temporeich gespielt und hemmungslos gereimt, da wird gerappt und gesungen, gelacht und gepredigt und natürlich auch ganz tragödientypisch gelitten und gestorben. Schließlich gibt es „in keinem andern Drama, derart mieses Karma“.

Ensemble: Piano – Thomas Berger, Sprecherin – Anett Oesterreich, Lexiconny, ein hochbegabtes Kind – Priscilla Kluge, Laios/König von Theben – Christian Schreier, Orakel von Delphi – Cornelia Seidel, Iokaste/Königin von Theben – Alexandra Dietze, Hirte aus Theben – Verena Zimmermann, Hirte aus Korinth – Michael Weber | M. Ö. Arnold, Betrunkener Korinther – Gabriela Lengsfeld, Ödipus/König von Theben – Christian Schreier, Merope/Königin von Korinth – Katrin Zeidler, Kreon/Ödipus‘ Schwager – Ralf Müller, Sphinx – Tina Zeidler, Priester – Uwe Seidel, Teiresias/ein Seher – Katrin Zeidler, Arzt – Ines Rau | Gabriela Lengsfeld, Chor – alle genannten

Die in der Rolle der Lexiconny verwendeten Erklärungen erscheinen mit freundlicher Genehmigung von Til Tessin.

Regie – Silke Bauer-Hollenbach, Co-Regie – Michael Ö. Arnold, Souflage – Cornelia Seidel, Vocalcoach/Chorsätze – Annett Putz/Musikschule Charts, Korrepetitor – Thomas Berger, Playbacks – Hendrik „Henk“ Henker, Musikteilproben – Christian Schreier, Kostüme – Thea(l)ternativ, Maske/Haar – Susann Bartsch | Manja Kaddereit | Peggy Schauer | Tina Zeidler, Technik – Gunter Möckel, Kulissen – TPZ | René Kaps | Tina Zeidler, Plakat –Martin Tretner/marts-design, Video – Verena Zimmermann | Silke Bauer-Hollenbach, Requisiten/Krisenmanagement – Anett Oesterreich, Programmheft/Fotos – Jan Edelmann, Helfer – Steffi Edelmann | Carmen Günnel | Franziska Steindl

Foto: Jan Edelmann

 

Thea(l)ternativ ist eine künstliche Wortsymbiose, welche nicht als alternatives Theater, sondern vielmehr als Ausdruck für „Theater als Alternative zum Alltag“ interpretiert werden soll.

Die Idee für das Erwachsenentheater bestand im Geiste schon einige Jahre, als sie 1997 konkrete Formen annahm. Zur 35. Jubiläumsfeier des Kinder- und Jugendtheaters „Burratino“ finden sich ehemalige Mitglieder und andere Spielbegeisterte zu einer neuen Theatergruppe zusammen. Das Experiment „Thea(l)ternativ“ begann – und hat ohne Unterbrechungen bis heute Bestand. Der Verein besteht derzeit aus 30 aktiven Mitgliedern zwischen 18 und 60 Jahren und feiert 2017 sein 20-jähriges Bestehen.

www.thealternativ.de

 

 

 

„DER AMATEUR Schauspieler ODER: Are you lonesome tonight?“, die bühne – das Theater der TU Dresden

In DER AMATEUR: Schauspieler steht der Medieninformatikstudent und Amateurschauspieler Robert Richter auf der Bühne und behauptet nicht Robert Richter zu sein, weil der gestern aufgrund zu intensiven Probens explodiert ist. Die Reste von ihm werden unter einen Materialisator gelegt, die Geister die er ruft, wird er nicht mehr los, sie setzen ihm zu und er muss gestehen, DOCH Robert Richter zu sein. Das Stück will er nicht spielen, weil dann seine Amateurtheaterkarriere zu Ende ist. Der Raum der Möglichkeiten schließt sich, das Forellenkleid der Identität wandert in den Fundus. Er hört O-Töne ab, spricht seine eigenen Interviews, dokumentiert sein Leben und wehrt sich mit Händen und Füßen, das alles aufzugeben.

DER AMATEUR: Schauspieler ergründet an einer konkreten Biographie das Wesen des Theaterspielens. “Warum spielen wir Theater? Warum stelle ich mich jetzt vor Sie hin und erzähle Ihnen all dieses Dinge? Und auch noch in meiner Freizeit?” Warum ist diese Kunstform trotz Youtube, Netflix, musical.ly, trotz immenser Kosten und vergleichsweise geringer Zuschauerzahlen immer noch derart relevant? Was ist das, Theaterspielen? DER AMATEUR: Schauspieler stellt die Frage nach dem Menschsein und nach der Notwendigkeit zu spielen, um Mensch zu bleiben.

Ensemble: Robert Richter, Jenny T. Klee, Nele Paar, Kristina Pflugbeil, Stephanie Eichler, Maike Prueter, Mattis Hasler, Florian Gleissner

Text/Regie – Andreas Mihan, Bühne/Kostüm – Christine Ruynat, Dramaturgie – Matthias Spaniel, Assistenz – Anja Haase, Technik – Jakob Münch| Nils Krüger

Foto: Christine Ruynat

 

Seit den 1950ern ist die bühne das Studententheater der Technischen Universität  Dresden – und damit eines der ältesten in Deutschland überhaupt.

Zentraler Ansatz sind inhaltliche Fragen, die den Grundstein jeder Inszenierung legen: Denn nur wer etwas zu sagen oder hinterfragen hat, sollte den Mund auftun. Als basisdemokratisch und ehrenamtlich organisierter Verein agiert die bühne offen, transparent und mit einem Vorstand, der eng mit der künstlerischen Leitung zusammenarbeitet.

die bühne ist so bunt gemischt wie die TU auch und diese Vielfalt ist ein großer Schatz. Unbefangenes Laientum trifft auf professionellen Input, woraus eine charmante Mischung aus Gesellschaftskritik und Nonsens entsteht, die stolz unter einem Dach vereint ist.

www.die-buehne.tu-dresden.de

 

 

Weitere Infos:

www.landesbuero-sachsen.de

+49 351 49 76 02 81

kontakt@landesbuero-sachsen.de